Ehemaliger Intendant Manfred Beilharz schenkt umfangreichen Nachlass an Stadtarchiv Wiesbaden

Ehemaliger Intendant Manfred Beilharz schenkt umfangreichen Nachlass an Stadtarchiv Wiesbaden
Ehemaliger Intendant Manfred Beilharz schenkt umfangreichen Nachlass an Stadtarchiv Wiesbaden | Bild: Stadt Wiesbaden

Dr. Manfred Beilharz hat seinen künstlerischen Vorlass der Landeshauptstadt Wiesbaden übergeben. Am Donnerstag, 22. Januar, unterschrieb er im Kulturdezernat am Schillerplatz den Schenkungsvertrag. Kulturdezernent und Stadtkämmerer Dr. Hendrik Schmehl nahm die Unterlagen für das Stadtarchiv entgegen. Rund dreißig Kisten mit Dokumenten warten noch auf Abholung in Beilharzs Wohnung.

Stationen einer langen Theaterkarriere

Beilharz, gebürtiger Böblinger, studierte Germanistik, Rechtswissenschaft und Theaterwissenschaft und promovierte im Bereich Theater- und Urheberrecht. Erste berufliche Stationen führten ihn als Regieassistent an die Kammerspiele in München und später 1967 als Oberspielleiter und Chefdramaturg an das Westfälische Landestheater in Castrop Rauxel. Mit 30 Jahren übernahm er seine erste Intendanz in Tübingen.

Weitere Etappen seiner mehr als fünfzigjährigen Tätigkeit waren die Städtischen Bühnen Freiburg, das Staatstheater Kassel und lange Jahre das Theater in Bonn. In Bonn war er zunächst Intendant des Schauspiels und wurde 1997 zum Generalintendanten des vereinigten Theaterbetriebs ernannt. Zahlreiche Produktionen aus seiner Zeit in Bonn erhielten Einladungen zum Theatertreffen nach Berlin, darunter Aufführungen mit der damaligen Newcomerin Johanna Wokalek.

2002 wechselte Beilharz an das Hessische Staatstheater Wiesbaden, wo er mehr als ein Jahrzehnt wirkte. Neben der Leitung des Hauses prägte er die Maifestspiele und setzte die 1992 mit Tankred Dorst in Bonn gegründete Biennale Neue Stücke aus Europa in Wiesbaden fort. Internationales Engagement war ein wiederkehrendes Thema in seiner Arbeit. Er war Mitglied des Internationalen Theaterinstituts der Unesco und von 2002 bis 2008 dessen Weltpräsident. Heute ist er dessen Ehrenpräsident.

Der Vorlass: Umfang und Inhalte

Erste Kontakte zwischen Beilharz und dem Stadtarchiv entstanden 2019. Der übergebene Nachlass umfasst Programmhefte, Fotos, Spielzeitprogramme, Inszenierungsentwürfe, Briefe, Korrespondenzen und Presseausschnitte. Stadtarchivleiter Dr. Peter Quadflieg betonte, dass der Bestand nicht nur die Intendanz in Wiesbaden dokumentiere, sondern auch die internationalen Aspekte einer vielschichtigen Theaterkarriere abbildet.

Zu den besonderen Stücken des Vorlasses zählt ein Schofar, ein traditionelles Blasinstrument aus Antilopenhorn, das Beilharz bei der Unterzeichnung mitbrachte. Das Instrument war ein Geschenk der damaligen Intendantin der New Israeli Opera in Tel Aviv, Hanna Munitz, nach der gemeinsamen Inszenierung von Alban Bergs Wozzeck in Tel Aviv und späterer Zusammenarbeit bei den Maifestspielen. Während der kurzen Zeremonie spielte Beilharz dem Vernehmen nach einen Ton auf dem Instrument.

Wirkung und Bedeutung

Beilharz sieht seine Arbeit als Verbindung regionaler Bezüge mit ästhetischen Herausforderungen und internationaler Ausrichtung. Er sagte, seine Theaterarbeit sei stets von regionalen Aspekten, ästhetischen Fragestellungen und Internationalität geprägt und habe damit auch eine politische Dimension. Als Beispiele nannte er Gastspiele des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden in China und in mehreren europäischen Ländern.

Stadt und Archiv zeigten sich dankbar für die Schenkung. Dr. Schmehl sagte, die Stadt sei sehr dankbar, dass Beilharz das Stadtarchiv Wiesbaden für die dauerhafte Aufbewahrung seines Vorlasses ausgewählt habe. Quadflieg hob den dokumentarischen Wert des Bestands hervor, insbesondere für die Erforschung internationaler Austauschbeziehungen im Theaterbereich.

Zum Abschluss der Unterzeichnung fand Beilharz auch nachdenkliche Worte. Er verwies auf veränderte politische Verhältnisse in Russland, in Europa und in Israel und sagte, es wäre Zeit für einen Neuanfang und mehr internationalen Austausch im kulturellen Bereich. Der übergebene Nachlass soll diese Forschung künftig im Stadtarchiv ermöglichen.

Quelle anzeigen

redaktion
Redaktion Rambacher Zeitung 115 Artikel
Regional verwurzelt. Rambach informiert.