Der Bus ist kein Luxus

RamNauWi | Der Bus ist kein Luxus | Foto: CitaroFan / CC BY 3.0
RamNauWi | Der Bus ist kein Luxus | Foto: CitaroFan / CC BY 3.0

In RamNauWi schauen wir auf die Themen, die Rambach, Naurod und Wiesbaden direkt vor der Haustür bewegen. Diesmal geht es um eine Frage, die für viele Menschen im Alltag entscheidend ist: Wie verlässlich ist der öffentliche Nahverkehr in den äußeren Stadtteilen?

Wer in Rambach oder Naurod lebt, weiß: Ohne Auto kann der Alltag schnell kompliziert werden. Der Bus ist hier deshalb kein nettes Zusatzangebot. Er ist für viele Menschen ein wichtiger Teil der täglichen Grundversorgung.

Das gilt für Schülerinnen und Schüler genauso wie für ältere Menschen, Berufspendler, Jugendliche oder alle, die bewusst auf ein eigenes Auto verzichten wollen. Wer zum Arzt, zur Arbeit, zum Einkaufen oder einfach in die Wiesbadener Innenstadt möchte, muss sich darauf verlassen können, dass der öffentliche Nahverkehr funktioniert.

Genau daran hapert es aber immer wieder.

Verspätungen, Ausfälle, lange Taktzeiten oder schlechte Anschlüsse sind für Menschen in den äußeren Stadtteilen nicht bloß ärgerlich. Sie können darüber entscheiden, ob ein Termin erreicht wird, ob der Weg zur Arbeit planbar bleibt oder ob man am Ende doch wieder ins Auto steigt.

Das ist der entscheidende Punkt: Wer ernsthaft möchte, dass weniger Menschen mit dem Auto fahren, muss ihnen eine verlässliche Alternative anbieten.

Es reicht nicht, regelmäßig über Verkehrswende, Klimaschutz und nachhaltige Mobilität zu sprechen. Diese Begriffe bleiben abstrakt, wenn der Bus im Alltag nicht zuverlässig fährt.

Gerade in Stadtteilen wie Rambach und Naurod ist der öffentliche Nahverkehr besonders wichtig. Die Entfernungen sind größer, viele Ziele liegen nicht direkt vor der Haustür und manche Wege lassen sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad nur eingeschränkt bewältigen.

Deshalb darf der Maßstab nicht sein, ob eine einzelne Verbindung wirtschaftlich maximal ausgelastet ist. Öffentlicher Nahverkehr erfüllt eine gesellschaftliche Aufgabe. Auch eine weniger stark genutzte Linie kann für einen Stadtteil enorm wichtig sein.

Natürlich kostet ein gutes Busangebot Geld. Fahrzeuge, Personal und Infrastruktur gibt es nicht zum Nulltarif. Aber Mobilität ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Straßen werden schließlich auch nicht nur dort gebaut, wo sich jeder einzelne Meter unmittelbar rechnet.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Schlechter Nahverkehr trifft nicht alle Menschen gleichermaßen.

Wer zwei Autos vor der Tür stehen hat, kann einen ausgefallenen Bus vielleicht noch auffangen. Wer keinen Führerschein besitzt, körperlich eingeschränkt ist oder sich kein eigenes Auto leisten kann, hat diese Möglichkeit nicht. Aus einem Komfortproblem wird dann schnell ein echtes Teilhabeproblem.

Eine Stadt, die sich als lebenswert und modern versteht, muss deshalb auch außerhalb ihres Zentrums gute Mobilität ermöglichen.

Das bedeutet nicht, dass überall im Zehn-Minuten-Takt ein leerer Bus fahren muss. Es bedeutet aber, dass Verbindungen zuverlässig, nachvollziehbar und alltagstauglich sein müssen. Fahrpläne müssen sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren. Anschlüsse sollten funktionieren. Und wenn es dauerhaft Probleme gibt, müssen diese offen benannt und gelöst werden.

Vor allem aber sollte sich die Diskussion verändern.

Der Bus ist nicht der Verkehr für diejenigen, die sich kein Auto leisten können. Er ist auch keine freiwillige Ergänzung zum eigentlichen Verkehrssystem. Ein guter öffentlicher Nahverkehr ist Infrastruktur, genauso wie Straßen, Schulen oder funktionierende digitale Netze.

Wer Rambach und Naurod attraktiv halten will, muss deshalb auch dafür sorgen, dass die Menschen von dort zuverlässig wegkommen und wieder nach Hause gelangen.

Der Bus ist kein Luxus.

Er ist Voraussetzung dafür, dass eine Stadt auch für diejenigen funktioniert, die nicht jedes Ziel mit dem Auto erreichen wollen oder können.

Bild: CitaroFan / CC BY 3.0

redaktion
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