Wiesbaden hört am Ortsschild nicht auf

RamNauWi | Wiesbaden hört am Ortsschild nicht auf
RamNauWi | Wiesbaden hört am Ortsschild nicht auf

In RamNauWi schauen wir auf die Themen, die Rambach, Naurod und Wiesbaden direkt vor der Haustür bewegen. Diesmal geht es um die Frage, ob die äußeren Stadtteile bei Verkehr, Infrastruktur und Stadtentwicklung wirklich den Stellenwert bekommen, den sie verdienen.

Wer in Rambach oder Naurod lebt, kennt dieses Gefühl: Man gehört selbstverständlich zu Wiesbaden und trotzdem wirkt es manchmal so, als beginne die eigentliche Stadt erst ein paar Kilometer weiter unten.

Natürlich ist das zugespitzt. Aber genau darin liegt ein Problem, das viele Außenstadtteile betrifft. Wenn über Verkehr, Infrastruktur, Stadtentwicklung oder Investitionen gesprochen wird, richtet sich der Blick schnell auf Innenstadt, Hauptachsen und große Projekte. Die kleineren Stadtteile kommen vor, aber oft erst dann, wenn dort etwas nicht funktioniert.

Dabei entscheidet sich Lebensqualität nicht nur am Schlossplatz, an der Wilhelmstraße oder rund um den Hauptbahnhof. Sie entscheidet sich auch an einer Bushaltestelle in Rambach, an einer gefährlichen Kreuzung in Naurod, an einem fehlenden Gehweg, an einer maroden Straße oder an der Frage, wie zuverlässig man ohne Auto überhaupt in die Stadt kommt.

Gerade hier zeigt sich, wie ernst eine Stadt ihre Außenbezirke nimmt.

Denn wer am Rand wohnt, hat nicht automatisch geringere Ansprüche. Im Gegenteil: Viele Menschen in Rambach und Naurod zahlen denselben Preis für eine funktionierende Stadt wie alle anderen auch, über Steuern, Gebühren und Abgaben. Dafür dürfen sie erwarten, dass ihre Anliegen nicht dauerhaft hinter größeren Projekten zurückstehen.

Das bedeutet nicht, dass jeder Wunsch sofort erfüllt werden kann. Eine Stadt muss abwägen, priorisieren und mit begrenzten Mitteln umgehen. Aber Priorisierung darf nicht bedeuten, dass kleinere Stadtteile strukturell später drankommen.

Besonders sichtbar wird das beim Verkehr. Wenn eine Busverbindung schlecht ist, eine Straße dauerhaft belastet wird oder sichere Wege für Fußgänger und Radfahrer fehlen, ist das keine Nebensache. Es entscheidet darüber, wie Menschen ihren Alltag organisieren können. Wer morgens zur Arbeit, zur Schule oder zum Arzt muss, interessiert sich wenig dafür, ob ein Problem statistisch klein ist. Für den Einzelnen ist es sehr konkret.

Auch bei der Stadtentwicklung lohnt ein genauer Blick. Außenstadtteile brauchen Entwicklung, aber keine Entwicklung, die ihren Charakter ignoriert. Neubauten, Nachverdichtung und neue Verkehrsströme müssen zu dem Ort passen, in den sie gesetzt werden. Wer nur Flächen betrachtet und nicht das Umfeld, produziert Konflikte, die später alle teuer bezahlen.

Gleichzeitig dürfen sich Rambach und Naurod nicht darauf zurückziehen, einfach alles bewahren zu wollen. Auch diese Stadtteile verändern sich. Sie brauchen Wohnungen, moderne Infrastruktur, gute Mobilität und Angebote für junge Menschen. Die Frage ist also nicht, ob sich etwas verändert, sondern wie.

Dafür braucht es eine Stadtpolitik, die nicht nur aus der Mitte Wiesbadens auf die Außenbezirke schaut, sondern die Perspektive umkehrt.

Wie sieht Wiesbaden aus, wenn man morgens in Rambach an der Bushaltestelle steht? Wie funktioniert die Stadt für jemanden, der in Naurod ohne Auto lebt? Wie attraktiv ist ein Stadtteil für Familien, wenn Wege unsicher sind oder Treffpunkte fehlen?

Solche Fragen klingen klein. Sie sind es aber nicht.

Eine Stadt ist nicht nur ihr Zentrum. Sie besteht aus ihren unterschiedlichen Stadtteilen, Ortskernen und Nachbarschaften. Genau diese Vielfalt macht Wiesbaden aus.

Deshalb sollte auch politisch gelten: Wiesbaden hört nicht am Ortsschild auf.

redaktion
Redaktion Rambacher Zeitung 194 Artikel
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